Posts Tagged ‘Erlebnisse’
WM, Vuvuzela & Co.
Freitag, Juni 18th, 2010Der Hammer! Es ist wieder mal Weltmeisterschaft und obwohl das ganze in Südafrika stattfindet, ist überall Party, Public Viewing und sogar diese Vuvuzela-Tröten nerven hier an allen Ecken und Enden. Na gut, ich hab auch so ein Dings und ganz ehrlich, das rum tröten macht Spaß, wenn man es selber macht. Deutschland hat nun schon die ersten Spiele hinter sich, jedoch das Spiel heute – gegen Serbien – war echt keine Glanzleistung, auch bedingt durch die bescheuerten Schiedsrichter, die offensichtlich kontra Deutschland eingestellt waren.
Auf jeden Fall war und ist es immer wieder ein Spaß, beim Public Viewing allen andern zuzuschauen. Interessanterweise kommt mir es immer wieder so vor, als überwiegt inzwischen der Frauenanteil beim Fußball schauen. Aber das kann auch einfach nur Einbildung sein. Die Damen sind dabei so lautstark bei der Sache, dass selbst diese “Uweseelers” nix dagegen bewirken könnten. Aber es ist lustig und selbst für mich als Fußballlaien schön anzuschauen. Das heute Spiel Schland gegen Serbien war natürlich der Horror für jeden, der dachte, die Deutschen bekommen den Sieg einfach so eingeschenkt. Nix da war’s, Klose vom Platz gestellt, der ja als Torschütze favorisiert wurde und dann eine Gelbe Karte nach der andern und vor allem für was für Sachen, unbegreiflich. Man sollte es den Serben gleichtun und künftig auch für unsere Nationalspieler Schauspielunterricht geben, damit die sich einfach realistischer Foulen lassen und auf die Wiese werfen. Die Serben haben das ja sehr schön vorgemacht. Aber das wird unser Löwi Yog sicher auch noch kapieren. Eine letzte Chance haben wir ja noch. Das nächste Mal sollte man auch noch Lena und Ratzi einwechseln, die beiden haben ja schon gewonnen, warum nicht auch hier.
Spannend ist vor allem auch, wer noch so an Gegnern weiter kommt, welchen Kampf wir im Finale sehen werden, wobei wir da bereits mehr oder weniger entspannt im Urlaub an der Ostsee weilen werden. Das wird ein Fest, das Finale der WM an der Ostsee schauen. Gemischte Gefühle kommen in mir hoch.
Ostersamstag 2010.
Sonntag, April 4th, 2010Der Tag hat schon ungewöhnlich begonnen. Da hab ich vorbereitend für unser Ostersonntagsessen Freitagnacht begonnen, Lammjus zu kochen (also sozusagen die Sose zum Braten), was allerdings bis Samstag früh gegen 4:30 Uhr gedauert hat. Also bin ich erst so gegen 5:00 Uhr ins Bett gekommen. Ganze 5 Stunden “ausgeschlafen” und gegen 10:00 Uhr aufgestanden und mich wie Falschgeld gefühlt. Mein bester Freund René weilt im Moment in Plauen und hat sich für Vormittag zu einem Plausch angekündigt, dem habe ich froh entgegen gewartet. Hat sich auch gelohnt, als er denn da war, haben wir uns bis weit nach Mittag richtig gut unterhalten, so wie wir es früher fast täglich getan haben, als er noch in Plauen wohnte. Es war richtig erfrischend und unterhaltsam.
Anschließend durfte ich auf Weisung meiner Gattin zum Zwangsshoppen, es fehlten noch spezielle Ostergaben für die lieben Kleinen. Gar nich mal so leicht, wenn der Nachwuchs eigentlich schon alles hat, was es so gibt – also in meinen Augen zumindest. Also alle Plauener Shoppingtempel abgefahren und gelaufen und festgestellt, dass es zwar viel zu kaufen gibt, aber nichts passendes. Zumindest für die ganz Kleinen hatte ich dann doch was gefunden, nachdem ich Kolonnaden, Stadt Galerie, Drogerie Müller mehrmals in unterschiedlicher Reihenfolge aufgesucht hatte. Frau rief zwischendurch noch an, ich möge nicht mit ohne Geschenke heimkehren. Das machte mir das einkaufen gleich deutlich leichter. Nicht.
Vor den Kolonnaden noch auf liebe Bekannte getroffen und mein Leid mit Ihnen geteilt, anschließend ins Kaufland gefahren und ein weiteres Geschenk gefunden. Wäre ich mal gleich dorthin gefahren.
Da es schon fortgeschrittener Nachmittag war, rief meine Gattin erneut an, wo ich den bliebe und ich soll jetzt heimkommen, denn das Essen wäre nun kalt. Toll, darauf hab ich tatsächlich nur gewartet, warmes Essen wird auch vollkommen überbewertet. Ehrlich!
Zu Hause angekommen erstmal einen kleinen Mittagsschlaf gemacht, das Defizit in der Nacht hat sich doch bemerkbar gemacht. Erfolgreich ausgeruht ging es dann an die Zubereitung des Ostersonntagslammbratens. Fleisch spicken, würzen, anrösten, garkochen usw., alles verteilt auf deutlich mehr Zeit, als es hier den Eindruck macht. Während der Endphase meiner Lebensmittelverarbeitung erhielt ich dann einen interessanten aber auch folgenschweren Anruf, irgendwann gegen 21:30 Uhr rief mich meine liebe Bekannte Ina-Maria an, man hätte wohl ein kleines Problem beim Vorbereiten der Videoeinspieler bei der nicht mal 22 Stunden später stattfindenden Vogtland Late Night Show VLNS, irgendwie möchte der Film nicht aus der Kamera auf den Rechner, alle Versuche schlugen fehl. Hmm. Ich mit Messer und Bratenspieß in der Küche stehend soll nun die Situation retten?! Klar, kein Problem, das kenne ich ja vom tagtäglichen arbeiten nur zu gut, da kann ich mein Wissen an die Frau bringen. Also überlegt, wer denn greifbar wäre und die Kenntnisse/Möglichkeiten dazu hätte. Einer ist mir da sofort in den Sinn gekommen, mein lieber Bekannter aus Heilbronn Oliver Kramer, welcher über Ostern ebenfalls in der Heimat weilt, also einige Male angerufen und SMS geschickt und um dringenden Rückruf gebeten, der dann auch genau dann kam, als ich auf der Sanitärkeramik weilte. Also Problem geschildert, Zusage erhalten, Stoffwechsel beendet und kurz darauf von Olli abgeholt worden und gen Mañana aufgebrochen. Dort angekommen erstmal ein herzlicher Empfang von all jenen, die bereits im Vorfeld den Versuch unternommen hatten, den Film der Kamera zu entlocken und dem PC darzubieten. Zwischenzeitlich wurde auch organisiert, dass sowohl die Kamera als auch das Zubehör ins Mañana verbracht wurde, welche dann fast Just-in-time eintraf. Also erster Versuch: MacBook aufgeklappt, Kamera mit USB-Kabel angeschlossen, Kamera nicht erkannt, rumprobiert, WLAN-Kennwort ernötigt, im Web nach Treiber gesurft, nix gefunden, Gesicht gezogen und festgestellt, dass kein Firewirekabel da wäre, was man aber benötigt hätte.
Also Twitter und Facebook mit Anfragen gefüllt und auch Hilfsangebote aus Heilbronn usw. erhalten, was aber zu weit weg war. Zwischenzeitlich habe ich mich an meine Digital8-Cam erinnert und meinen Freund Herrn Ernstberger auf Usedom angerufen (war schon weit nach 22:00 Uhr), ob er die Cam mit hat oder nicht. Die Cam wohnt in Plauen, also musste ich Mario erreichen, welcher Zugriff auf die Cam hat. Mario war aber nicht zu Hause. Mario war mit Constantin bei Manuel in der Zweibar. Mario hat laut Herrn Ernstberger aber kein Handy mit. Also musste ich direkt in der Zweibar anrufen. Die Zweibar hat aber eine Geheimnummer, die nichtmal bei der Auskunft bekannt ist. Also den Manuel unzählige Male vergeblich auf der Handynummer angerufen. Hat nix gebracht, weil niemand ran ging.
Durch unzählige Tweets bei Twitter aufmerksam geworden ist dann noch ein lieber Bekannter Jörg “Vito” Vitovec zu uns ins Mañana gestossen, welcher in der Ostersamstagsausgabe einen tollen Artikel über die VLNS geschrieben hatte und wir haben uns sehr interessant über Reisen nach Südafrika, kochen, Zeitungsartikel und die Late Night Show unterhalten, ein echtes Highlight des Abends für mich.
Ich erinnerte mich, dass ich noch eine Quittung von der Zweibar in der Geldbörse haben müsste, was tatsächlich auch so war. Also diese nach der Festnetznummer durchsucht und in der Zweibar angerufen. Manuel war schon vor dem ersten Klingeln am Telefon und bestätigte mir die Anwesenheit von Mario. Dieser rief mich dann freundlicherweise von Manuels Handy zurück, ich schilderte unser Dilemma, kein Firewirekabel zu haben und bat ihn, bitte Herrn Ernstberger auf Usedom anzurufen, sich erklären zu lassen, wo meine Hi8-Cam zu finden ist und diese dann ins Mañana zu bringen, was er dann auch tat. Keine Stunde später hatten wir dann Dank Mario ein Firewirekabel und Olli konnte beginnen, den Film in den Mac zu importieren, was daran scheiterte, dass der Akku der Cam leer war. Also Steckdose bei Tresen geordert und bekommen, weiter importiert. Dann leerte sich der Akku des Macbooks, noch eine Steckdose bestellt und erhalten. Film schön langsam weiterimportiert.
Irgendwann war der Film im Kasten, Olli hat mit den Filmdamen alle wichtigen Details besprochen und sich zum Schnitt verabschiedet. Ich kann mich gar nicht genug bei ihm für seinen kurzfristigen Einsatz bedanken! Dafür hat er bei mir was gut!!!
Zwischenzeitlich hatte bereits der Tag gewechselt und die Gäste sind weniger geworden. Nachdem sich alle verabschiedet hatten, haben Vito, Mario und ich auch den Heimweg angetreten, gegen 2:00 Uhr konnte ich meine geliebte Küche begrüßen und nun werde ich mich ins Bett begeben.
So einen Ostersamstag hatte ich noch nie, wirlich stressig, aber voll genial gut!
Bin nun auf heute (Ostersonntag) abend auf die 16. Vogtland Late Night Show ab 19:30 Uhr in der Alten Feuerwache schon ganz sehr gespannt. Wird sicher sehr abwechslungsreich.
Ein Hoch auf das Leben!
Dienstag, Januar 26th, 2010Wer kennt das nicht, man fühlt sich überlastet, ausgelaugt, verbrannt. Das Wetter ist alles andere als angenehm, das persönliche Umfeld ist mindestens genauso schlecht drauf, wie man selbst, alles ist einfach nicht mehr schön.
Dazu kommt noch die allgemeine pessimistische Lage im Land, alles wird immer schlechter (geredet) und man verfällt in eine Depression, dass man am liebsten alles hinwerfen möchte, weil es eh nichts bringen würde.
Da versucht man Halt zu finden, wo es nur geht, bei der Familie, den Kindern und vor allem auch bei den Freunden, von denen man annimmt, dass die einen kennen und auch mal auf die Bedürfnisse eingehen. Vor allem, wenn man selber so gut wie gar keine Freizeit hat, will man die wenige verbliebene Zeit optimal nutzen um sich selber wieder aufzubauen, zu regenerieren, um seinen Optimismus wiederzufinden, um den kommenden Streß zu überleben,
In der Theorie klingt das dann auch recht positiv und sollte ohne weiteres umsetzbar sein, es sei denn die Leute, an die man seine Erwartungen heranträgt, machen da nicht mit. Nein, man ist denen sogar völlig egal. Das wirft einem total zurück und die eigene Depression schlägt um in Aggression, in erster Linie gegen sich selbst und das nahe Umfeld. Man wird unfreiwillig lauter und gereizter und die Stimmung kippt noch mehr ab.
So geht es mir die letzten Tage und Wochen. Ich bin nur noch am arbeiten, Freizeit kenn ich nur noch vom hörensagen. Man ist beruflich dermaßen eingebunden, dass man weder persönliche Erledigungen machen kann, noch simple Einkäufe und an Freizeitgestaltung wie Kino, Theater, Schwimmbad, etc. ist gar nicht mehr zu denken. Arbeiten, schlafen, arbeiten, schlafen usw. sieben Tage die Woche.
Alle ziehen bloß noch lange Gesichter, nette Gespräche gibts so gut wie gar nimmer und jeder ist beleidigter als der andere. So wird es die nächsten Tage, Wochen, Monate usw. weitergehen. Mir ist ein Rätsel, was ich dagegen tun kann, anderen gehts da ganz ähnlich, am besten ist es da, wenn man Single ist und sich um niemanden kümmern muss.
Trotz dieser Strapazen wunder ich mich, warum der Monat finanziell immer eher zu Ende ist, eigentlich müsste man ja im Geld nur so schwimmen, soviel wie man arbeitet, aber irgendwie klafft die Entwicklung Arbeit-Geld immer weiter auseinander. Im Gegenteil, alle Ausgaben die man jeden Monat so hat werden immer mehr, man wird geschröpft wo es nur geht, mehr für Gas, Strom, etc. pp. Kleidung, Kinderbetreuung, Essen, einfach alles wird teurer, trotz konstantem Einkommen seit Jahren. Irgendwo demotiviert einen das total.
Mehr wie 80 Wochenstunden Arbeit geht nun mal nicht, ich frage mich, was andere da anders machen, da die weniger arbeiten, mehr Freizeit haben, aber immer noch genug Geld zum ausgeben für Urlaub, etc. Ich komm nicht dahinter.
Ich wünsche mir, am Monatsende noch soviel Geld über zu haben, dass ich meine Familie einfach so für ein Wochenende für einen Kurzurlaub irgendwo hinfahren kann. Ohne darüber nachdenken zu müssen, ob das Geld reicht oder nicht. Gut, ein freies Wochenende ist bei mir sowieso eher die Ausnahme. Aber diesen Traum habe ich. Falls sich irgendwann die Ausgaben halbieren oder sich mein Gehalt verdoppelt, so wie meine Arbeit dies schon tut, dann sollte das sogar mal drin sein.
Dann könnte man sich sogar über die viele Arbeit richtig freuen, denn dann würde man sehen, dass sich viel arbeiten auszahlt. Derzeit bekommt man ja nur “Dank und Anerkennung”, wofür ich meinen Kindern aber nix kaufen kann.
Kinder, Kinder!
Donnerstag, November 12th, 2009Endlich habe ich mich wieder gefangen. Bis vorhin war ich völlig von der Rolle, meine jüngste Tochter wollte sich nur noch mal von uns ins Bett verabschieden und dabei ist Sie unglücklich gestolpert und direkt mit dem Auge an die Tischkante gestoßen. Klar, Kopfwunden bluten immer besonders stark, aber direkt am Auge und Sie hat geschrien wie am Spieß, das war einfach zu viel für mich. Mein kleiner Engel verletzt. Meine Frau hat zum Glück prompt reagiert und die Blutung gestillt, die beiden Geschwister waren ebenso wie ich völlig geschockt.
Da ich nicht mal in der Lage war, in der Situation gerade zu denken, hat meine Frau die Kleine angezogen, Ihre Schwestern haben sich gleich selber angezogen und wollten unbedingt mit zum Notarzt. Also Frau mit Kindern unterwegs zum Krankenhaus zur Rettungsstelle. Ich blieb hier aufgeregt wie ein Flummy, immerhin habe ich es geschafft, die Großeltern zu bitten, meiner Frau bei der Kinderbetreuung im Krankenhaus zur Seite zu stehen, man weiß ja nie, wie lange die Halbgötter in Weiß so brauchen, um tätig zu werden.
Nachdem alles untersucht war und die Wunde versorgt wurde, konnten alle wohlbehalten wieder nach Hause. Meine kleine Maus war wieder fröhlich und wollte ins Bett, als wäre nix gewesen. Ihre Schwestern waren auch müde genug und nun gehen Mama und Papa auch in die Heia, der Schreck ist langsam überwunden.
Bis zum nächsten Mal…
Herbst 1989
Dienstag, Oktober 27th, 2009Zwanzig lange Jahre ist es bereits her. Mehr als die Hälfte meines Lebens. Im Herbst 1989 nahm das Ende der DDR seinen Lauf. Erst die Flüchtlinge über Tschechien und Ungarn, dann immer mehr versteckte Aktivitäten in Kirchengemeinden, unter der Hand und von Mund zu Mund. Irgendwann kursierten die ersten Informationen zum Neuen Forum und erste Flugzettel tauchten auf.
Jeder, der damals konnte und wollte, hat diese Flugblätter vervielfältigt, was gar nicht mal so einfach war. Kopierer (Xerographen und Ormig) waren unter Verschluß und nur für Führungskader ohne weiteres zugänglich, das Kopierpapier wurde abgezählt, die Zählerstände der Kopiergeräte in Bücher eingetragen, in denen auch stand, wer wann was wie oft kopiert hat. Also wurden die Flugblätter teils von Hand mit der Schreibmaschine auf dünnem Papier mit den maximal möglichen Durchschlägen abgetippt, immer und immer wieder, mehrere pro Blatt Papier und dann alles kleingeschnitten.
Das Durchschlagspapier wurde dann verbrannt, je nach Farbband, auch dieses, was aber letztlich egal war, denn die Stasi hatte sowieso von allen Schreibmaschinen Schreibproben. Ich hatte damals das große Privileg, durch unsere Westverwandten bereits einen Commodore plus/4 nebst Nadeldrucker zu besitzen, so konnte ich viel schneller die Flugzettel kopieren. Dies getan und an der Berufsschule und auf Arbeit verteilt, kam irgendwann der 7. Oktober 1989 auf uns zu, als anstatt der großen 40 Jahrfeier der DDR die erste Massendemonstration auf dem Gebiet der DDR in Plauen statt fand, zu der ich selbst nicht anwesend war. Leider! Hatte aber den Grund, weil mein Schwager damals seinen Reservedienst bei der NVA verrichten musste und das große Pech hatte, in Plauen das Kreiswehrersatzamt mit der Waffe zu sichern. Indirekt wurde damals nämlich auch bekannt, dass um Plauen herum unzählige Militäreinheiten, Kampftruppen etc. versammelt wurden, welche die bevorstehenden Unruhen mit Waffengewalt niederschlagen sollten. Jedenfalls haben die Flugblätter Ihre Wirkung erzielt, es waren mehrere Zehntausend Menschen auf der Straße und haben friedlich gegen die Verhältnisse in der DDR demonstriert. Die Staatsmacht zeigte zwar Zähne, ließ Gassen bilden, schaffte Wasserwerfer und Hubschrauber herbei, nahm Verhaftungen vor, jedoch auch Dank Herrn Superintendenten Küttler kam es zu keinem Blutvergießen und diese Demonstration setzte Signale für die restliche DDR, für Potsdam, Berlin, Dresden und auch Leipzig, welche alle Tage später mit Ihren Großdemonstrationen begannen. Wäre es in Plauen anders verlaufen, wäre dort niemand je auf die Straße gegangen.
Es folgten unzählige Demos in der ganzen DDR, Bürgerinitiativen gründeten sich, Rund-Tisch-Gespräche folgten. Plötzlich ging ein Ruck durchs angestaubte System und seitens der Regierung versuchte man sich wohl in Schadensbegrenzung, zumal von den alten Herren wohl keiner mit so einer Situation umzugehen wußte. Dann kam der Tag der Tage, der Anfang vom Ende der DDR.
Am 9. November 1989 hatte ich als Lehrling zum Facharbeiter für Datenverarbeitung im VEB Plauener Spitze in Plauen das Vergnügen, ausnahmsweise eine Spätschicht im Rechenzentrum mitzuarbeiten, was normalerweise nicht möglich gewesen wäre (Jugendschutzgesetze). Ich wollte dies aber auch mal miterleben und mein Ausbilder hatte nix dagegen. Es war schon später Nachmittag, als wir zu unserer Kaffeepause damals im Radio Antenne Bayern hörten und plötzlich unterbrechen die Ihr Programm und bringen den absoluten Hammer, Günter Schabowski hat in einer Pressekonferenz verkündet, dass die Grenze ab sofort für jeden DDR-Bürger geöffnet sein soll. Wir haben uns alle ungläubig angeschaut. Dann kam auf Rias 2 die selbe Nachricht und auf Bayern 3 ebenso. Irgendwer hat dann rumtelefoniert und sich das bestätigen lassen. Die Grenzen waren auf!!! Und ich sitze in der Spätschicht und arbeite.
Ich kenne einige Leute, die umgehend ins Auto gesprungen sind und sofort nach Gefell auf die heutige A9, die damalige Transitautobahn gefahren sind und direkt in den Westen, so auch Kollegen von mir. Einige blieben direkt im Westen, in der Angst, man könnte die Grenzen wieder schließen. Andere kamen wieder und haben jede Menge Sachen mitgebracht, die sie im Westen in Hof usw. geschenkt bekommen hatten. Schokolade, Westzeitungen, Südfrüchte, Joghurt, Kiwi, Limonade und Bier in Dosen, ach was weiß ich nicht alles, was die da mitgebracht haben! Der blanke Wahnsinn!
Wir sind dann am 11.11.1989 das allererste Mal über Schleichwege (eigentlich Kontrollwege der Grenztruppen) über Gutenfürst nach Gefell und dann über die Grenze gelangt, zu dem Zeitpunkt gab es bereits einen Rückstau von Autos von ausreisewilligen DDR-Bürgern bis ganz tief nach Thüringen rein. Da wir aber über die Nebenstrecke kamen und sonst die Wege der Grenzer blockiert hätten, hat man uns reingewunken. So konnten wir relativ schnell nach Bayern durchfahren. Mit einem megamulmigen Gefühl! Was passiert bei der Grenzkontrolle? Kommen wir dann wieder zurück? Was wenn nicht? Einfach schlimme Gedanken.
Im Westen angelangt, waren wir zu allererst in Regnitzlosau und haben dort einen ALDI besucht. Kein Geld in der Tasche, aber einmal zu ALDI. Wahnsinn! Auf dem Parkplatz wurden wir von einer älteren Dame in bestem oberfränkisch angesprochen: “Saits Ihr aus dr Zone? Da, habts ne Mark fürn Wagen.”. Wie? Was? Wofür? Kannten wir ja damals nicht. Einkaufwagen für eine Mark! Superbillig! Aldi eben.
Auf jeden Fall sind wir durch diese neue Erlebniswelt geschlendert und haben die große weite Welt eingeatmet, ein Kontrastprogramm im Gegensatz zum Gestank des Zweitakt-Trabbis!
Später sind wir noch nach Rehau und Hof, wobei Hof da schon einer riesigen Fußgängerzone glich. Es ging irgendwie gar nichts mehr. Tausende Menschen auf den Beinen, dicht gedrängt. Alle am feiern, eine ganz besondere Stimmung lag in der Luft, einfach unbeschreiblich! Und auf nimmer Wiedersehen auf ewig verschwunden. Leider.
In den folgenden Tagen und Wochen gingen wir regelmäßig zur Demonstration und fuhren anschließend nach Oberfranken. Dann gab es Begrüßungsgeld, welches wir in Leupoldsgrün in Empfang nahmen. In der dortigen Kirchgemeinde wurden wir auch sehr nett in Empfang genommen, verpflegt und man hat sich sehr nett unterhalten, was ich wirklich bemerkenswert fand und auch noch finde, da dieses Dorf aufgrund des ansässigen Möbelhauses Oertel extrem stark von DDR-Bürgern frequentiert wurde, was eine echte Belastung für die Anwohner darstellen musste. Respekt und Dank an diese Leute!!!
Irgendwann ging das ganze in Normalität über und nach und nach ging es auf die Einheit Deutschlands zu. Doch darüber zerfließen meine Gedanken, weil das kein so einschneidendes Erlebnis war, wie die eigentliche Zeit des politischen Umbruchs in der ehemaligen DDR.
16 Millionen Zeitzeugen mit 16 Millionen persönlichen Erlebnissen.
Bin ich froh, das alles selbst miterlebt zu haben!




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